Nachlese zum zweiten Symposium Klimagerechtigkeit

Klimagerechtigkeit: Klimapartnerschaften gehen mit gutem Beispiel voran

Vertreter von Klimapartnerschaften beim Symposium KlimagerechtigkeitAuf dem zweiten Symposium Klimagerechtigkeit am 18. und 19. November 2014 in Bremerhaven haben die Klimapartnerschaften Bremen–Durban (Südafrika), Jena–San Marcos (Nicaragua) und Würzburg–Mwanza (Tansania) ihre Arbeit vorgestellt. Das Symposium wurde vom Klimahaus Bremerhaven 8°Ost und der Freien Hansestadt Bremen durchgeführt. Die Servicestelle Kommunen in der Einen Welt von Engagement Global war als Kooperationspartner beteiligt. Ziel war es, verschiedene Ansätze der Klimagerechtigkeit zu diskutieren sowie Impulse in Politik, Bildung und Verwaltung zur Umsetzung geeigneter Verfahren zum „gerechteren“ Klimaschutz und der Anpassung an den Klimawandel auszulösen und zu verbreiten.

Zu Beginn der Veranstaltung erläuterte der Geschäftsführer des Klimahauses, Arne Dunker, den Ansatz der Klimagerechtigkeit als einen Versuch, in einer Welt von Reichtum und Armut gemeinsame Werte anzuerkennen. Dr. Joachim Lohse, Senator für Umwelt, Stadtentwicklung und Mobilität der Freien Hansestadt Bremen, stellte in seinem Grußwort das Engagement der Stadt Bremen im Bereich Fairer Handel und Klimapartnerschaft als Möglichkeit heraus, global Verantwortung zu übernehmen.

Gastredner Prof. Dr. Mohan Munasinghe vom Institute of Development (MIND) in Colombo, Sri Lanka, wies darauf hin, dass Klimagerechtigkeit im Zusammenhang mit anderen Aspekten globaler Gerechtigkeit verstanden werden müsse. “Wenn die Reichen bereits einen ganzen Planeten konsumieren, wie können wir dann eine Armutsminderung erreichen?”, fragte er. Aktivitäten im Bereich Klimaschutz und Klimafolgenanpassung sollten daher in den Kontext einer global nachhaltigen Entwicklung eingebettet werden. Und weiter: „Wir können nicht auf die Ergebnisse der internationalen Klimaverhandlungen warten, wir müssen handeln“. Potential für wirksames Handeln gebe es besonders auf der mittleren Aktionsebene, etwa bei Kommunen, Schulen, Kirchen und zivilgesellschaftlichen Organisationen.

Akteure aus Jena und San Marcos im Gespräch mit Teilnehmenden des SymposiumsAm zweiten Tag wurden in drei parallelen Workshops praktische Beispiele von Nord-Süd-Kooperationen in den Bereichen nachhaltige Energieerzeugung, Klimafolgenanpassung und Bildung für Klimagerechtigkeit aufgezeigt. Jo Douwes, Mitarbeiterin der Abteilung für Umwelt und Klimaschutz der eThekwini Municipality (Durban, Südafrika), stellte in ihrem Eingangsvortrag die Vorteile von kommunalen Partnerschaften heraus: es würden neue Themen aufgegriffen und Ideen entwickelt, gegenseitiges Lernen befördert und oft auch neue Finanzmittel generiert. Idealerweise sollten die Partnerschaften ein “globales Netzwerk gegenseitigen Verstehens“ herausbilden. Dafür sei ein direkter Austausch zwischen Fachexperten unabdingbar, denn „Seeing is believing! (Sehen bedeutet glauben)”, so Douwes. Die Klimapartnerschaft Bremen–Durban setzt derzeit in Durban ein Projekt zur Renaturierung von Feuchtgebieten um, das auf einem ökosystembasierten Ansatz der Klimafolgenanpassung beruht.

Für den Partnerschaftsverein APRODIM in San Marcos erläuterte Herty Guevara zunächst die Folgen des Klimawandels für seine Stadt: geringere Niederschläge bei gleichzeitig erhöhtem Überschwemmungsrisiko, verringerte Ernteerträge, Verlust von Biodiversität, Degradierung der Böden sowie Verringerung der Trinkwasserressourcen. Die Klimapartnerschaft Jena–San Marcos setze bei verschiedenen dieser Faktoren an und verbinde Wiederaufforstungsmaßnahmen mit der Installation von Biogasanlagen sowie Kleinst-Solaranlagen für private Haushalte. Zudem werde die Nutzung energiesparender Herde gefördert. Nach der Devise „El cambio soy yo – Der Wandel bin ich selbst“ werde dabei die Bevölkerung aktiv einbezogen.

Diskussion mit Akteuren aus Mwanza und WuerzburgJoseph Mlinzi, Mitarbeiter der Stadtverwaltung in Mwanza, stellte seine Stadt als einen schnell wachsenden Ort mit stark ansteigendem Energiebedarf vor. Gemeinsam mit den Partnern aus Würzburg werden nun vier Photovoltaik-Pilotanlagen in Mwanza installiert. Das Projekt leiste nicht nur einen direkten Beitrag zur Energieversorgung, sondern veranschauliche auch die Vorteile von Solarenergie.

In der anschließenden Diskussion tauschten sich die Teilnehmenden über den Ansatz der kommunalen Zusammenarbeit aus und ergründeten unterschiedliche Perspektiven aus Nord und Süd.
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