Termin-Nachlese
25. bis 27. März 2014, Kapstadt, Südafrika

Umgang mit dem Klimawandel - Kommunen beschreiten gemeinsame Wege

Gruppenfoto der Teilnehmenden in Kapstadt, Südafrika. Foto: Stephen WilliamsEin altes afrikanischen Sprichwort besagt: "Wenn du schnell gehen willst, gehe allein. Wenn du weit kommen willst, gehe mit anderen." Zehn deutsche Kommunen haben gemeinsam mit ihren Partnern aus sieben afrikanischen Ländern (Burkina Faso, Ghana, Kamerun, Lesotho, Senegal, Südafrika und Tunesien) beschlossen in Sachen Klimawandel gemeinsam zu gehen.

Vom 25. bis 27. März 2014 fand der internationale Kick-off Workshop der dritten Phase des Projektes "50 Kommunale Klimapartnerschaften bis 2015" in Kapstadt, Südafrika, statt. Insgesamt kamen rund 80 Personen nach Somerset West. Darunter hochrangige Vertreterinnen und Vertreter aus Kommunalpolitik und -verwaltung der beteiligten Kommunen, zivilgesellschaftliche Akteure sowie Repräsentanten des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und der kommunalen Spitzenverbände Deutscher Städtetag (DST) und South African Local Government Association (SALGA).

Startschuss in Kapstadt

Teilnehmende beim Workshop. Foto: Stephen WilliamsZu Beginn des Workshops begrüßte Matthew Kempthone, Stadtrat in der Kommune Kapstadt, die Teilnehmenden. Er betonte die Bedeutung eines integrierten Ansatzes im Umgang mit den Klimawandel. Johannes Dopffel, Referent des BMZ, unterstrich in seinem Grußwort den hohen Stellenwert, von Klimaschutz und Klimaanpassung sowie der kommunalen Entwicklungszusammenarbeit für sein Ministerium. Städte seien bedeutende Akteure im Umgang mit dem Klimawandel, deren Potentiale mit dem Klimapartnerschaftsprojekt nutzbar gemacht werden sollen. Dr. Stefan Wilhelmy, Abteilungsleiter der SKEW, begrüßte die Anwesenden im Namen von Engagement Global. In seiner Ansprache ging er besonders auf die zunehmende Bedeutung der kommunalen Entwicklungspolitik in Deutschland ein und dankte den Teilnehmenden für Ihr Engagement in diesem Bereich.

Erstmals alle beteiligten Kommunen vertreten

Teilnehmende beim Workshop. Foto: Stephen WilliamsDer dreitägige Workshop in Südafrika brachte erstmalig Vertreterinnen und Vertreter aller an der dritten Phase beteiligten Kommunen zusammen. Das Treffen markiert den Beginn der Arbeit an den gemeinsamen Handlungsprogrammen zu Klimaschutz und Klimaanpassung innerhalb der jeweiligen kommunalen Partnerschaften. Diese sollen in einem Zeitraum von anderthalb Jahren erstellt und anschließend umgesetzt werden. Hastings Chikoko, Direktor für die Region Afrika des Städte-Netzwerks "C40 Cities and Climate Leadership Group" führte durch die Veranstaltung. Das Programm der Veranstaltung gestaltete sich vielfältig. Es beinhaltete neben vertiefenden Informationen zur Zusammenarbeit und möglichen Unterstützungsleistungen auch Praxisbeispiele, Fachvorträge und eine Exkursion.

Erfahrungsberichte

Geoff Tooley, Vertreter der Kommune eThekwini (Durban), berichtete am ersten Tag von der Pilotphase des Klimapartnerschaftsprojekts aus Durban. Gemeinsam mit Bremen führt die Stadt zurzeit das Projekt "Renaturierung von Feuchtgebieten zur Anpassung an den Klimawandel im Wassereinzugsgebiet des uMhlangane Flusses" im Norden Durbans durch, welches mit Sondermitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gefördert wird. Übergabe der Memoranda of Understanding zwischen Belo (Kamerun), Horb am Neckar und der SKEW. Foto: Stephen WilliamsDer Vortrag bot viele Einblicke in die praktische Arbeit einer Klimapartnerschaft. "Es waren die Fragen, die wir uns gegenseitig stellten und nicht unser jeweiliges Wissen, wodurch wir die größten Fortschritte erzielen konnten." In der anschließenden Diskussion wurden insbesondere auch die Lernerfahrungen aus der Pilotphase aufgegriffen. Abgerundet wurde der erste Tag des Workshops durch die feierliche Übergabe der Memoranda of Understanding, welche die Zusammenarbeit zwischen der SKEW und den einzelnen beteiligten Kommunen besiegelt.

Leitfaden als gute Orientierungshilfe

Dr. Klaus Reuter von der LAG 21 NRW. Foto: Stephen WilliamsDer zweite Tag begann mit der Vorstellung des Leitfadens zur Erstellung der gemeinsamen Handlungsprogramme zu Klimaschutz und Klimaanpassung im Rahmen von kommunalen Partnerschaften durch Dr. Klaus Reuter von der LAG 21 NRW. "Besonders für neue Partnerschaften wie die der Städte Rastatt und St. Louis bietet der Leitfaden eine gute Orientierungshilfe" betonte Hans Jürgen Pütsch, Oberbürgermeister der Stadt Rastatt.

Am Nachmittag nutzte Intelligent Chauke vom kommunalen Spitzenverband Südafrikas (SALGA) ihren Vortrag, um über ihre Aktivitäten ihres Verbandes im Bereich Klimawandel zu berichten. Gerade der direkte Erfahrungsaustausch zwischen Kommunen sowohl innerhalb Südafrikas als auch international spiele dabei eine besondere Rolle. Anschließend berichtete Sarah Ward, Zuständige der Stadt Kapstadt, über die Situation. Ihr Vortrag leitete über zur Fachexkursion über die Folgen des Meeresanstiegs an den Küsten des Kaps.

Der letzte Tag des Workshops begann mit zwei Fachvorträgen. Zunächst sprach Marcus Mayr aus Sicht des UN-Habitat Programms, über die Auswirkungen des Klimawandels in afrikanischen Städten. Diese können nicht nur innerhalb einer Region sondern auch innerhalb eines Landes stark variieren, es lohne sich daher genau zu analysieren welche Auswirkungen in der eigenen Stadt zu erwarten sind und welche Bevölkerungsteile am stärksten betroffen sein werden. Sarah Birch vom internationalen Städtenetzwerk ICLEI berichtete aus dem Afrika Sekretariat und zeigte Beispiele der Klimafolgenanpassung auf. "Wenn Sie zurückkehren, sprechen Sie mit jedem über den Klimawandel und darüber wie er ihre Stadt betreffen wird", forderte sie die Teilnehmenden auf.

Spezifische Expertise nutzen

Arbeitsgruppen beim Workshop. Foto: Stephen WilliamsNach den fachlichen Inputs richteten die Teilnehmenden ihren Blick wieder gezielt auf die jeweiligen Klimapartnerschaften. Sie beschäftigten sich zunächst mit den Arbeitsstrukturen und Kommunikationsmechanismen innerhalb ihrer Partnerschaften sowie der Identifikation von relevanten Akteuren. Darüber hinaus galt es mit Hilfe einer Bestandsaufnahme die Potentiale und möglichen Probleme des Klimaschutzes und der Klimaanpassung in den Partnerkommunen zu benennen, um so eine erste Orientierung für die Arbeit der jeweiligen Klimapartnerschaft zu erstellen. "Unsere Partner aus Leribe diskutieren nicht darüber, ob es den Klimawandel gibt, Sie sehen die Notwendigkeit zu handeln" berichtete Andreas Bruske aus der zukünftigen Stadt Geestland (Stadt Langen und Samtgemeinde Bederkesa). Yankhoba Diatara stellvertretender Bürgermeister der Stadt Thiès (Senegal) betonte die Bedeutung eines gleichberechtigten Partnerschaftsansatzes. Beide Seiten sollten die Möglichkeit haben ihre spezifische Expertise einzubringen.

Zum Ende des Workshops identifizierten die Anwesenden gemeinsam die vor ihnen liegenden Meilensteine auf dem Weg zur Erstellung der Handlungsprogramme. Gleichzeitig blickten sie auf eine gelungene Veranstaltung zurück, die sie in ihren Anstrengungen dem Klimawandel auf lokaler Ebene entgegenzutreten bestärkt und weiter motiviert hat.


Das Projekt "50 Kommunale Klimapartnerschaften bis 2015" wird von der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) der Engagement Global in Kooperation mit der Landesarbeitsgemeinschaft Agenda 21 NRW (LAG 21 NRW) im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) durchführt. Ziel ist es, dass bis zum Jahr 2015 insgesamt 50 deutsche Kommunen mit Ihren Partnern im Globalen Süden gemeinsame Handlungsprogramme zu den Themen Klimaschutz und Klimaanpassung entwickeln. Mit dem Auftakt der dritten Phase zählt das Projekt aktuell 33 Klimapartnerschaften. Weitere Informationen zum Projekt finden Sie hier.
typ: Klimapartnerschaftentitel:Kick-off-Kapstadt-2014