Christina Rau, Sonderbeauftragte des Bundeskanzlers für die Partnerschaftsinitiative Fluthilfe
Rede anlässlich der Sonderveranstaltung: „Die wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Flutwelle im indischen Ozean“ im Rahmen der Asien-Pazifik-Wochen 2005
Berlin, den 27.09.2005
Es gilt das gesprochene Wort!
Idee und Perspektive der Partnerschaftsinitiative: Helfen und Menschen miteinander verbinden - ein neuer Beratungs- und Koordinierungsansatz für zivilgesellschaftliches Engagement in der Entwicklungszusammenarbeit
Sehr geehrter Herr regierender Bürgermeister Wowereit,
sehr geehrte Exzellenzen,
sehr geehrte Frau Bundesministerin Wieczorek-Zeul,
sehr geehrter Herr Tittawella,
sehr geehrter Herr Prasetyo,
meine sehr verehrten Damen und Herren,
es ist mir eine große Freude, dass anlässlich der Asien-Pazifik-Wochen heute dieser Gedankenaustausch stattfindet. Deshalb möchte ich all denjenigen danken, die diesen fruchtbaren, notwenigen und schon traditionellen Dialog zwischen Deutschland und den Ländern des asiatisch-pazifischen Raumes ermöglicht haben.
Im Vordergrund der Asien-Pazifik-Wochen steht - wie in den Jahren zuvor - der Austausch und der Aufbau strategischer Partnerschaften in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur. Im Rahmen der heutigen Sonderveranstaltung zur Fluthilfe möchte ich besonders einen vierten Bereich hervorheben: den Bereich des gesellschaftlichen Austausches und der Partnerschaften zwischen kommunalen und zwischen zivilgesellschaftlichen Akteuren.
Sehr geehrte Damen und Herren,
am 26. Dezember 2004 wurden wir Zeugen einer der verheerendsten Naturkatastrophen der jüngeren Geschichte. Dem Seebeben unter dem Indischen Ozean fielen fast 300.000 Menschen zum Opfer. Für Millionen Menschen bleibt der Tsunami eine jähe und schreckliche Zäsur: Die Welle riss Familien auseinander, vernichtete ihre Häuser und beruflichen Existenzen, begrub Lebensplanungen, Hoffnungen und erarbeitetes Gut.
Die Geschehnisse erschütterten die ganze Welt und lösten auch bei der deutschen Bevölkerung ein nie da gewesenes Maß an Solidarität und Hilfsbereitschaft aus. Nur wenige Tage nach der Flut hat Bundeskanzler Schröder in seiner Neujahrsansprache 2005 dazu aufgefordert, langfristige Partnerschaften für den Wiederaufbau mit den betroffenen Menschen einzugehen und so die Verbindung zu ihnen auszubauen und zu vertiefen. Um dies zu fördern, hat der Bundeskanzler die „Partnerschaftsinitiative“ ins Leben gerufen und mich als seine Sonderbeauftragte für die Initiative ernannt.
Die Partnerschaftsinitiative ist vor allem ein Beratungs- und Koordinierungsangebot für diejenigen, die sich bei der Fluthilfe engagieren wollen, denen aber Projektpartner, Geldgeber, Länderkenntnis oder entwicklungspolitisches Know-How fehlen. Die Partnerschaftsinitiative hilft im Rahmen ihrer Möglichkeiten, diese Komponenten zusammenzuführen. Ziel ist, einen entwicklungspolitisch sinnvollen und nachhaltigen Beitrag zum Wiederaufbau zu leisten und eine langfristige völkerverbindende Zusammenarbeit der Akteure „auf Augenhöhe“ zu fördern. Das ist ein hoher Qualitätsanspruch an die Projekte, den wir bei aller gebotenen Eile aufrecht erhalten wollen.
Das Angebot der Partnerschaftsinitiative fand sehr großen Zuspruch in der Bevölkerung: 1364 Angebote von Städten, Gemeinden, Unternehmen, Institutionen, Vereinen sowie Einzelpersonen gingen bis heute bei uns ein. Sie alle wollten in irgendeiner Weise helfen, boten Spenden, Hilfsgüter, Materialien oder ihre Kenntnisse und Arbeitskraft an. Heute, ein ¾-Jahr nach der Flut, sind im Rahmen der Partnerschaftsinitiative ca. 290 Projekte zwischen deutschen Akteuren und Partnern aus der Flutregion angelaufen. Oft sind mehrere Hilfsangebote auf ein Projekt gebündelt worden.
Die Projektprüfung, –vermittlung und –betreuung wurde durch die „Servicestelle – Parterschaftsinitiative“ bei der „Internationalen Weiterbildungs und Entwicklungs gGmbH“, InWEnt, dem eigens geschaffenen Arbeitsstab im Auswärtigen Amt und den Partnerschaftsbüros an den Deutschen Botschaften gemeinsam geleistet. Die dahinter stehende Arbeit ist enorm und verdient unser aller Dank und Anerkennung.
Sehr geehrte Damen und Herren,
die durch die Partnerschaftsinitiative vermittelten und begleiteten Projekte leisten einen sichtbaren Beitrag von Kommunen und Zivilgesellschaft zum Wiederaufbau der Flutregion. Dieser Beitrag der Partnerschaftsinitiative versteht sich als Ergänzung zu der deutschen staatlichen Wiederaufbauhilfe. Wie meine Vorrednerin, Bundesministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul eindrucksvoll dargelegt hat, ist Deutschland in der Humanitären Hilfe, in der entwicklungsorientierten Not- und Übergangshilfe sowie in der Katastrophenprävention mit einem großen, auch finanziell beträchtlichen Einsatz engagiert. Zusammen mit anderen Industriestaaten und im Rahmen der EU, den internationalen Organisationen (insb. VN und Weltbank) sowie mit den großen Hilfswerken wird so der Wiederaufbau voran gebracht.
In dieser Größenordnung kann die Partnerschaftsinitiative natürlich nicht helfen. Doch haben viele ihrer Akteure bereits Großartiges geleistet.
An einem Beispiel möchte ich Ihnen das gerne illustrieren: In zwei Tagen besuche ich die Initiative „Worms hilft“. Dort haben sich direkt nach der Katastrophe Bürgerinnen und Bürger, ortansässige Firmen und Vereine zusammengetan und durch eine Vielfalt einfallsreicher Aktionen Geld für die Tsunami-Opfer gesammelt. Zusammen mit dem erfahrenen Arbeiter-Sameriter-Bund und mit Beratung der Servicestelle von InWEnt und der deutschen Botschaft in Colombo hilft Worms bei dem Wiederaufbau in Dickwella im Süden Sri Lankas. Die Ambulanz und die Kinderstation eines Hospitals wurden aufgebaut und eingerichtet, Schulen und Kindergärten mit Materialien ausgestattet. Zusammen mit dem THW soll nun auch die Männerstation des Hospitals wiederaufgebaut werden.
Das besondere an der Partnerschaftsinitiative ist der persönliche Zugang der Akteure zur Fluthilfe. Das Mitleid und die spontane Entschlossenheit, gegen diese unerträgliche Katastrophe des Tsunami etwas tun zu müssen, stand im Vordergrund. Einige Partner kannten aus ihrem Urlaub die touristisch erschlossenen Gebiete der Flutregion und wollen entsprechend dort helfen. Mit dem persönlichen Engagement ging oft der Wunsch einher, mit den Hilfsbedürftigen direkt in Kontakt zu treten, zu sehen, wie sich die eigene Hilfe entfaltet und natürlich das Bedürfnis, sich mit den Projekten in der Flutregion identifizieren zu können. Aus dieser Anlage der Partnerschaftsinitiative ergeben sich letztlich die regionalen und inhaltlichen Schwerpunkte unserer Hilfe, die sich mit der Hälfte aller Projekte auf kommunaler Ebene engagiert, in Krankenhäusern, Schulen und Kindergärten sowie in der Wasserversorgung und im Hausbau.
Die Partnerschaftsinitiative bewirkt zweifellos auch einen Fortschritt in der entwicklungspolitischen Bildung, einen Schub in der Bewusstseinsbildung für die „Eine Welt“. Man muss sich vor Augen halten, wie viele aktive Einzelpersonen, Kommunen, Unternehmen und Schulen nun begonnen haben, über die Probleme der betroffenen Länder und über die komplexe Materie der Entwicklungszusammenarbeit nachzudenken und sich in bezug auf ihr Projektvorhaben einzuarbeiten.
Die Partnerschaftsinitiative hat tatsächlich bereits dazu geführt, dass sich die engagierten Menschen hier und in der Flutregion durch die Hilfsprojekte näher gekommen sind.
Meine Damen und Herrern,
welche Perspektiven hat die Partnerschaftsinitiative?
Eine ganz grundsätzliche Voraussetzung ist Frieden! Frieden ist Voraussetzung für Entwicklung. Und natürlich gilt dieser Zusammenhang auch umgekehrt: dauerhafter Frieden braucht Entwicklung! Deshalb freue ich mich über die Erfolge im Friedensprozess in Aceh/Indonesien und hoffe, dass nach den jüngsten besorgniserregenden Ereignissen auch in Sri Lanka der Weg des Friedens weiter beschritten wird.
Wieviele der Projektpartnerschaften in eine langfristige Zusammenarbeit in Form von Städte- und Schulpartnerschaften (- wie wir sie sonst eher innerhalb Europas kennen -) münden werden, hängt zum einen von dem Willen und dem Durchhaltevermögen der Akteure ab. Zum anderen benötigen die Akteure eine gute Beratung. Wir von der Partnerschaftsinitiative bieten unsere Unterstützung an, auch Institutionen wie der Deutsche Städtetag und die Kultusministerkonferenz können hier hilfreich sein. Am wichtigsten aber sind zweifellos die entwicklungspolitisch erfahrenen Organisationen einschließlich der kirchlichen Hilfswerke, die Projekte umsetzten und auch Probleme vor Ort lösen können. Typische Probleme, für die diese Organisationen den notwendigen langen Atem, die Glaubwürdigkeit und die Seriosität mitbringen, sind zum Beispiel:
Gerade die Projektpartner, die mit einer erfahren Organisation als Projektträger arbeiten, haben beste Chancen, langfristige und positive Wirkung zu entfalten.
Hier lassen sich viele geglückte Kooperationen aufzählen:
Effiziente Koordination und enge Kooperation zwischen den Akteuren der Entwicklungszusammenarbeit sind für den Erfolg des Wiederaufbaus ganz wesentlich. Wo sich Synergien ergeben, kann schließlich auch effektiver geholfen werden. Kooperation ist besonders auch für die kleineren Projekte der Partnerschaftsinitiative wichtig. Ich freue mich daher besonders, feststellen zu können, dass viele erfahrene Nichtregierungsorganisationen, darunter auch das Bündnis „Gemeinsam für Menschen in Not – Entwicklung hilft“, mit unseren Partnern zusammenarbeiten. Hervorheben möchte ich zudem, dass auch zwischen der bilateralen staatlichen Hilfe und der Partnerschaftsinitiative in den am meisten betroffenen Ländern Indonesien und Sri Lanka eine sehr konstruktive Abstimmung stattfindet. Dafür möchte ich den Beteiligten meinen herzlichen Dank aussprechen.
Sehr geehrte Damen und Herren,
zusammenfassend kann man sagen, dass Entwicklungspartnerschaften gewiss viel Mühe kosten und einen langen Atem erfordern. Das ist auch vielen Beteiligten längst klar. Doch bergen sie für die Beteiligten und für die Entwicklungszusammenarbeit im Ganzen große Chancen:
Darum geht es uns. In diesem Sinne engagiere ich mich und will, dass wir so viele Projekte der Partnerschaftsinitiative wie möglich zu einem Erfolg führen.
Ihnen allen wünsche ich heute einen fruchtbaren und erkenntnisreichen Dialog, der uns darin voran bringt, den Menschen aus der Not zu helfen und den Wiederaufbau zu fördern.
Ich danke Ihnen für die Aufmerksamkeit!
Rede anlässlich der Sonderveranstaltung: „Die wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Flutwelle im indischen Ozean“ im Rahmen der Asien-Pazifik-Wochen 2005
Berlin, den 27.09.2005
Es gilt das gesprochene Wort!
Idee und Perspektive der Partnerschaftsinitiative: Helfen und Menschen miteinander verbinden - ein neuer Beratungs- und Koordinierungsansatz für zivilgesellschaftliches Engagement in der Entwicklungszusammenarbeit
Sehr geehrter Herr regierender Bürgermeister Wowereit,
sehr geehrte Exzellenzen,
sehr geehrte Frau Bundesministerin Wieczorek-Zeul,
sehr geehrter Herr Tittawella,
sehr geehrter Herr Prasetyo,
meine sehr verehrten Damen und Herren,
es ist mir eine große Freude, dass anlässlich der Asien-Pazifik-Wochen heute dieser Gedankenaustausch stattfindet. Deshalb möchte ich all denjenigen danken, die diesen fruchtbaren, notwenigen und schon traditionellen Dialog zwischen Deutschland und den Ländern des asiatisch-pazifischen Raumes ermöglicht haben.
Im Vordergrund der Asien-Pazifik-Wochen steht - wie in den Jahren zuvor - der Austausch und der Aufbau strategischer Partnerschaften in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur. Im Rahmen der heutigen Sonderveranstaltung zur Fluthilfe möchte ich besonders einen vierten Bereich hervorheben: den Bereich des gesellschaftlichen Austausches und der Partnerschaften zwischen kommunalen und zwischen zivilgesellschaftlichen Akteuren.
Sehr geehrte Damen und Herren,
am 26. Dezember 2004 wurden wir Zeugen einer der verheerendsten Naturkatastrophen der jüngeren Geschichte. Dem Seebeben unter dem Indischen Ozean fielen fast 300.000 Menschen zum Opfer. Für Millionen Menschen bleibt der Tsunami eine jähe und schreckliche Zäsur: Die Welle riss Familien auseinander, vernichtete ihre Häuser und beruflichen Existenzen, begrub Lebensplanungen, Hoffnungen und erarbeitetes Gut.
Die Geschehnisse erschütterten die ganze Welt und lösten auch bei der deutschen Bevölkerung ein nie da gewesenes Maß an Solidarität und Hilfsbereitschaft aus. Nur wenige Tage nach der Flut hat Bundeskanzler Schröder in seiner Neujahrsansprache 2005 dazu aufgefordert, langfristige Partnerschaften für den Wiederaufbau mit den betroffenen Menschen einzugehen und so die Verbindung zu ihnen auszubauen und zu vertiefen. Um dies zu fördern, hat der Bundeskanzler die „Partnerschaftsinitiative“ ins Leben gerufen und mich als seine Sonderbeauftragte für die Initiative ernannt.
Die Partnerschaftsinitiative ist vor allem ein Beratungs- und Koordinierungsangebot für diejenigen, die sich bei der Fluthilfe engagieren wollen, denen aber Projektpartner, Geldgeber, Länderkenntnis oder entwicklungspolitisches Know-How fehlen. Die Partnerschaftsinitiative hilft im Rahmen ihrer Möglichkeiten, diese Komponenten zusammenzuführen. Ziel ist, einen entwicklungspolitisch sinnvollen und nachhaltigen Beitrag zum Wiederaufbau zu leisten und eine langfristige völkerverbindende Zusammenarbeit der Akteure „auf Augenhöhe“ zu fördern. Das ist ein hoher Qualitätsanspruch an die Projekte, den wir bei aller gebotenen Eile aufrecht erhalten wollen.
Das Angebot der Partnerschaftsinitiative fand sehr großen Zuspruch in der Bevölkerung: 1364 Angebote von Städten, Gemeinden, Unternehmen, Institutionen, Vereinen sowie Einzelpersonen gingen bis heute bei uns ein. Sie alle wollten in irgendeiner Weise helfen, boten Spenden, Hilfsgüter, Materialien oder ihre Kenntnisse und Arbeitskraft an. Heute, ein ¾-Jahr nach der Flut, sind im Rahmen der Partnerschaftsinitiative ca. 290 Projekte zwischen deutschen Akteuren und Partnern aus der Flutregion angelaufen. Oft sind mehrere Hilfsangebote auf ein Projekt gebündelt worden.
Die Projektprüfung, –vermittlung und –betreuung wurde durch die „Servicestelle – Parterschaftsinitiative“ bei der „Internationalen Weiterbildungs und Entwicklungs gGmbH“, InWEnt, dem eigens geschaffenen Arbeitsstab im Auswärtigen Amt und den Partnerschaftsbüros an den Deutschen Botschaften gemeinsam geleistet. Die dahinter stehende Arbeit ist enorm und verdient unser aller Dank und Anerkennung.
Sehr geehrte Damen und Herren,
die durch die Partnerschaftsinitiative vermittelten und begleiteten Projekte leisten einen sichtbaren Beitrag von Kommunen und Zivilgesellschaft zum Wiederaufbau der Flutregion. Dieser Beitrag der Partnerschaftsinitiative versteht sich als Ergänzung zu der deutschen staatlichen Wiederaufbauhilfe. Wie meine Vorrednerin, Bundesministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul eindrucksvoll dargelegt hat, ist Deutschland in der Humanitären Hilfe, in der entwicklungsorientierten Not- und Übergangshilfe sowie in der Katastrophenprävention mit einem großen, auch finanziell beträchtlichen Einsatz engagiert. Zusammen mit anderen Industriestaaten und im Rahmen der EU, den internationalen Organisationen (insb. VN und Weltbank) sowie mit den großen Hilfswerken wird so der Wiederaufbau voran gebracht.
In dieser Größenordnung kann die Partnerschaftsinitiative natürlich nicht helfen. Doch haben viele ihrer Akteure bereits Großartiges geleistet.
An einem Beispiel möchte ich Ihnen das gerne illustrieren: In zwei Tagen besuche ich die Initiative „Worms hilft“. Dort haben sich direkt nach der Katastrophe Bürgerinnen und Bürger, ortansässige Firmen und Vereine zusammengetan und durch eine Vielfalt einfallsreicher Aktionen Geld für die Tsunami-Opfer gesammelt. Zusammen mit dem erfahrenen Arbeiter-Sameriter-Bund und mit Beratung der Servicestelle von InWEnt und der deutschen Botschaft in Colombo hilft Worms bei dem Wiederaufbau in Dickwella im Süden Sri Lankas. Die Ambulanz und die Kinderstation eines Hospitals wurden aufgebaut und eingerichtet, Schulen und Kindergärten mit Materialien ausgestattet. Zusammen mit dem THW soll nun auch die Männerstation des Hospitals wiederaufgebaut werden.
Das besondere an der Partnerschaftsinitiative ist der persönliche Zugang der Akteure zur Fluthilfe. Das Mitleid und die spontane Entschlossenheit, gegen diese unerträgliche Katastrophe des Tsunami etwas tun zu müssen, stand im Vordergrund. Einige Partner kannten aus ihrem Urlaub die touristisch erschlossenen Gebiete der Flutregion und wollen entsprechend dort helfen. Mit dem persönlichen Engagement ging oft der Wunsch einher, mit den Hilfsbedürftigen direkt in Kontakt zu treten, zu sehen, wie sich die eigene Hilfe entfaltet und natürlich das Bedürfnis, sich mit den Projekten in der Flutregion identifizieren zu können. Aus dieser Anlage der Partnerschaftsinitiative ergeben sich letztlich die regionalen und inhaltlichen Schwerpunkte unserer Hilfe, die sich mit der Hälfte aller Projekte auf kommunaler Ebene engagiert, in Krankenhäusern, Schulen und Kindergärten sowie in der Wasserversorgung und im Hausbau.
Die Partnerschaftsinitiative bewirkt zweifellos auch einen Fortschritt in der entwicklungspolitischen Bildung, einen Schub in der Bewusstseinsbildung für die „Eine Welt“. Man muss sich vor Augen halten, wie viele aktive Einzelpersonen, Kommunen, Unternehmen und Schulen nun begonnen haben, über die Probleme der betroffenen Länder und über die komplexe Materie der Entwicklungszusammenarbeit nachzudenken und sich in bezug auf ihr Projektvorhaben einzuarbeiten.
Die Partnerschaftsinitiative hat tatsächlich bereits dazu geführt, dass sich die engagierten Menschen hier und in der Flutregion durch die Hilfsprojekte näher gekommen sind.
Meine Damen und Herrern,
welche Perspektiven hat die Partnerschaftsinitiative?
Eine ganz grundsätzliche Voraussetzung ist Frieden! Frieden ist Voraussetzung für Entwicklung. Und natürlich gilt dieser Zusammenhang auch umgekehrt: dauerhafter Frieden braucht Entwicklung! Deshalb freue ich mich über die Erfolge im Friedensprozess in Aceh/Indonesien und hoffe, dass nach den jüngsten besorgniserregenden Ereignissen auch in Sri Lanka der Weg des Friedens weiter beschritten wird.
Wieviele der Projektpartnerschaften in eine langfristige Zusammenarbeit in Form von Städte- und Schulpartnerschaften (- wie wir sie sonst eher innerhalb Europas kennen -) münden werden, hängt zum einen von dem Willen und dem Durchhaltevermögen der Akteure ab. Zum anderen benötigen die Akteure eine gute Beratung. Wir von der Partnerschaftsinitiative bieten unsere Unterstützung an, auch Institutionen wie der Deutsche Städtetag und die Kultusministerkonferenz können hier hilfreich sein. Am wichtigsten aber sind zweifellos die entwicklungspolitisch erfahrenen Organisationen einschließlich der kirchlichen Hilfswerke, die Projekte umsetzten und auch Probleme vor Ort lösen können. Typische Probleme, für die diese Organisationen den notwendigen langen Atem, die Glaubwürdigkeit und die Seriosität mitbringen, sind zum Beispiel:
- Abstimmungen mit den örtlichen Behörden,
- der Erwerb von Grundstücken zu reellen Preisen
- und das abgewogene Handeln vor dem Hintergrund der Verteilungsgerechtigkeit und der Nachhaltigkeitsfrage.
Gerade die Projektpartner, die mit einer erfahren Organisation als Projektträger arbeiten, haben beste Chancen, langfristige und positive Wirkung zu entfalten.
Hier lassen sich viele geglückte Kooperationen aufzählen:
- Die Partnerschaft der Stadt Bonn mit dem südindischen Distrikt Cuddalore arbeitet erfolgreich mit der Deutschen Welthungerhilfe zusammen.
- Als Kooperationspartner der Aktion „Südbaden hilft“, in der die Städte Freiburg und Lörrach besonders aktiv sind, ist die Caritas in Chengalpattu/Südindien tätig.
- Die Hilfe Bielefelds für die größte Schule in Mullaitivu im Nordosten Sri Lanka setzt das DRK um.
Effiziente Koordination und enge Kooperation zwischen den Akteuren der Entwicklungszusammenarbeit sind für den Erfolg des Wiederaufbaus ganz wesentlich. Wo sich Synergien ergeben, kann schließlich auch effektiver geholfen werden. Kooperation ist besonders auch für die kleineren Projekte der Partnerschaftsinitiative wichtig. Ich freue mich daher besonders, feststellen zu können, dass viele erfahrene Nichtregierungsorganisationen, darunter auch das Bündnis „Gemeinsam für Menschen in Not – Entwicklung hilft“, mit unseren Partnern zusammenarbeiten. Hervorheben möchte ich zudem, dass auch zwischen der bilateralen staatlichen Hilfe und der Partnerschaftsinitiative in den am meisten betroffenen Ländern Indonesien und Sri Lanka eine sehr konstruktive Abstimmung stattfindet. Dafür möchte ich den Beteiligten meinen herzlichen Dank aussprechen.
Sehr geehrte Damen und Herren,
zusammenfassend kann man sagen, dass Entwicklungspartnerschaften gewiss viel Mühe kosten und einen langen Atem erfordern. Das ist auch vielen Beteiligten längst klar. Doch bergen sie für die Beteiligten und für die Entwicklungszusammenarbeit im Ganzen große Chancen:
- Sie helfen konkret Menschen, die in Not und Armut geraten sind;
- sie fördern in unserer Gesellschaft das Verständnis für die wechselseitige Abhängigkeit in der Einen Welt, in der wir leben;
- sie erweitern im wahrsten Sinne des Wortes den Horizont der Menschen, die sich in unseren Kommunen hierfür engagieren;
- sie ermöglichen den interkulturellen Dialog und das interkulturelle Lernen.
Darum geht es uns. In diesem Sinne engagiere ich mich und will, dass wir so viele Projekte der Partnerschaftsinitiative wie möglich zu einem Erfolg führen.
Ihnen allen wünsche ich heute einen fruchtbaren und erkenntnisreichen Dialog, der uns darin voran bringt, den Menschen aus der Not zu helfen und den Wiederaufbau zu fördern.
Ich danke Ihnen für die Aufmerksamkeit!