arche noVa in Indien


Das CBO Modell von SNEKHAM und arche noVa -
Wie Gemeinschaftskontos kleinen Gemeindeorganisationen zu Kleinkrediten verhelfen.

Sven Seifert, Projektkoordinator der humanitären Auslandshilfe bei arche noVa, hat sich bei seinem letzten Besuch in Nagercoil / Indien ein Bild vom neuartigen Ansatz zur Selbsthilfe verschafft, den arche noVa zusammen mit dem örtlichen Trust SNEKHAM derzeit entwickelt.

21 so genannte Volunteers, Freiwillige, stellten sich vor und schilderten die Arbeit der je 15-30 von ihnen betreuten Community Based Organisations (CBOs). Derzeit sind insgesamt 683 solcher CBOs unter dem Dach von SNEKHAM vereint.

Ihre Anfragen an arche noVa betreffen die Instandsetzung mehrerer hundert durch den Tsunami beschädigter Häuser, die Lieferung von Motoren für ihre Fischerboote, medizinische Unterstützung in verschiedenen Übergangslagern, in denen teilweise katastrophale hygienische Bedingungen herrschen, und die Ausstattung der Lager mit Toiletten, Küchengeräten und Kochern.

Das Prinzip so genannter Community Based Organisations basiert auf einem sehr günstigen Spar- und Kreditmodell der indischen Regierung. Jedes Mitglied der 5 -10 Personen zählenden Organisation zahlt einen Betrag zwischen 20 und 100 Rupien pro Monat auf das CBO-Konto ein, dieser Beitrag wird im jeweiligen Mitgliedssparbuch festgehalten. Die Summe der Beiträge fließt auf das CBO Sparkonto bei einer staatlichen Bank.


Entstehen einem Mitglied Kosten durch Krankheit, Studiengebühren, den Bau eines Hauses oder die Eröffnung eines kleinen Geschäfts, so kann es bei „seiner“ CBO einen Kredit beantragen, dessen Zinsen wiederum der gesamten CBO zugute kommen. Dem CBO-Konto kommt somit die Funktion von Krankenversicherung, Bausparvertrag, und Sparbuch gleichzeitig zu.

Kann die CBO über ein Jahr hinweg hohe Qualität und Kontinuität ihrer Arbeit nachweisen, erhält sie einen zinsgünstigen Kredit und eine nichtrückzahlbare Bonuszahlung. Der entsprechende Nachweis wird durch das SNEKHAM Monitoring, die Bezirksleitung und den Gemeindevorsteher erbracht. In jedem weiteren erfolgreichen Jahr erhöhen sich die Bonuszahlungen.


2005 entwickelt sich aus einer bereits bestehenden indischen NGO der SNEKHAM Social Service Trust. Das Ziel besteht darin, die Lebensbedingungen der armen Bevölkerungsschichten zu verbessern. Zu diesem Zweck übernimmt SNEKHAM für die CBOs vielfältige Aufgaben: Da sind zunächst die Einrichtung und Bürgschaft für die CBO Konten bei den Banken und das zur Kreditvergabe erforderliche Monitoring – die Kontrolle der Sparguthaben und der gemeinsamen Geschäftsbücher. Aber auch Qualifizierungsmaßnahmen und das Training der Mitglieder gehören dazu, ebenso wie die Lobbyarbeit bei der örtlichen Verwaltung und der indischen Regierung.

arche noVa hat die Anschubfinanzierung dieses Modells übernommen, das sich ab Februar über eine 5%-ige Gewinnabgabe der Community Based Organisations an SNEKHAM finanzieren soll. Dafür ist jedoch eine Mindestanzahl von 700 solcher Organisationen nötig. Derzeit werden auch Ankauf und Verteilung von Hilfsgütern und Kühlschränken, Netzen und Nähmaschinen für Einkommen schaffende Maßnahmen noch von arche noVa getragen. Das Modell ist solide und zukunftsträchtig, und vor allem: es baut auf die Eigenverantwortlichkeit der Beteiligten, statt sie zu bloßen Hilfeempfängern zu degradieren. Nicht zuletzt die Rückzahlungsverpflichtung sorgt für einen verantwortungsbewussten Umgang mit dem Darlehen, da ist sich Sven Seifert sicher.
[|profil.cglomsda], 29. Apr 2006 10:55