Städtepartnerschaft Hamburg-León
| Hamburg | Leon |
Mischfinanzierung ( Fördermittel der Senatskanzlei, Rest-Cent-Aktion, EU-Mittel, Spenden), Austauschprogramme, Sponsoring und gute Kooperation
Projektträger/Kooperationspartner der Städtepartnerschaft Hamburg-Leon
Die Partnerschaft wird von einem breiten Spektrum zivilgesellschaftlicher Organisationen (vertreten im Koordinationskreis) getragen. Die Senatskanzlei stellt Mittel für ausgewählte Projekte in León zur Verfügung, die von Hamburger NGOs wie dem Nicaragua Verein betreut und verwaltet werden.
Kurzbeschreibung der Aktivitäten
Großes Engagement vieler Hamburger Akteure und gute Öffentlichkeitsarbeit
Nord-Süd-Austausch ist ein zentrales Element der Hamburger Partnerschaft, da persönliche Begegnungen der Menschen aus den Partnerstädten eine Städtepartnerschaft lebendig und fruchtbar machen. Manche Besuchsreisen der Leoner und Schüleraustausch werden von der Senatskanzlei bezuschusst. Zudem findet seit 1997 ein beruflicher Austausch der Jugendfeuerwehr León mit den beiden Partnerstädten Hamburg und Salzburg statt. Außerdem organisiert die Hamburger Arbeitsgemeinschaft freier Jugendverbände (AGfJ), die einen Nicaragua-Arbeitskreis hat, regelmäßige Begegnungen zwischen Hamburger und Leoner Jugendlichen im Alter von 16 bis 26 Jahren.
Öffentlichkeitsarbeit ist ein weiteres wichtiges Standbein der Partnerschaftsarbeit, die unerlässlich für erfolgreiches Fundraising ist. Die Hamburger machen sehr viele Infostände und investieren in Informationsmaterial (Flugblätter). In diesen werden die Projekte konkret dargestellt, was die Spendenbereitschaft erhöht. Regelmäßig organisiert der Nicaragua Verein an den Europa-Tagen Diskussionsveranstaltungen, Infostände, Bildungsveranstaltungen, Seminare. Geld für Öffentlichkeitsarbeit, bei der manche Stiftungen auch Büroarbeit akzeptieren, beantragt der Nicaragua Verein bei der Norddeutschen Stiftung für Umwelt und Entwicklung, dem Ausschuss für Kirchliche Weltdienste der Nordelbischen Kirche (Mittel des Evangelischen Entwicklungsdienstes) und anderen Stiftungen. Gefördert werden z.B. Seminare, Informationsmaterial und Öffentlichkeitsarbeit über einen relativ formlosen Antrag.
Vorgehensweise/Prozessbeschreibung/Finanzierungsmodell
Kostenreduzierung und politische Unabhängigkeit durch Kooperation und diverse Förderquellen
Die Städtepartnerschaft zwischen Hamburg und León wurde 1989 offiziell unterzeichnet. Die Arbeitsform ist eine dauerhafte aber jeweils für zwei Jahre inhaltlich abgestimmte Zusammenarbeit. Die Partnerschaft hat einen besonderen Stellenwert in Hamburg, da Hamburg eine Priorität der entwicklungspolitischen Arbeit festgelegt hat, so dass 1/3 aller entwicklungspolitischen Mittel nach León bzw. in die Partnerschaft fließen. Hamburg agiert in der Partnerschaftsarbeit als Land und kann von daher über mehr finanzielle Mittel verfügen als andere Kommunen. Die Referate Umwelt und Kultur beteiligen sich zudem auch finanziell an bestimmten Projekten der Partnerschaft. Durch die Zusammenarbeit der Kommune bzw. des Landes Hamburg mit rund 40 nicht-staatlichen Initiativen im Rahmen des regelmäßig tagenden Nicaragua-Koordinationskreises werden zahlreiche Förderquellen erschlossen und Kräfte gebündelt. Dies entlastet die Kommune bezüglich finanzieller, personeller und zeitlicher Ressourcen.
Der Nicaragua Verein führt mit den Léoner NGOs die Projekte durch, muss sich aber selbst durch Spenden und ehrenamtliche Arbeit finanzieren.
Der Nicaragua-Koordinationskreis besteht seit 1988 und ist ein lockerer Zusammenschluss von etwa 40 Initiativen, Institutionen und Einzelpersonen aller Ebenen, die sich für die Weiterentwicklung der Städtepartnerschaft mit León engagieren. Er ist ein sehr wichtiges Organ, da er alle sechs Wochen zusammenkommende Kreis einen vielschichtigen Dialog und gemeinsame Projektplanung aller staatlichen (zum Beispiel die Senatskanzlei) und nicht-staatlichen Akteure ermöglicht. Der Verein „Weltweite Partnerschaft in Hamburg e.V. führt seit 1997 im Auftrag der Senatskanzlei verschiedene Fortbildungsmaßnahmen für Nicaraguaner in Hamburg oder León durch. Unter dem Dach der Kooperation der Lehrergewerkschaften GEW Hamburg und ANDEN León sind in Hamburg 25 Schulpartnerschaften zwischen Hamburg und León aktiv, deren eingeworbene Spenden der Nicaragua Verein verwaltet. Universitäre Zusammenarbeit gibt es in Form des Jugendfußballprojektes „GoooLeón“ der Studentischen Nicaragua-Initiative der Universität Hamburg und über Wissenstransfer zwischen den beiden Universitäten der Partnerstädte auf der Basis eines Kooperationsvertrages. Als weiterer wichtiger Akteur und Multiplikator ruft die Zeitung „Hamburger Abendblatt“ regelmäßig zu Projektspenden auf.
Die Projekte der Städtepartnerschaft werden hauptsächlich über die Senatskanzlei und die Norddeutsche Stiftung für Umwelt und Entwicklung finanziert. Einige weniger bekannte und sehr empfehlenswerte Finanzierungsformen der Hamburger Städtepartnerschaft werden im Folgenden erläutert.
Die Nutzung von Austauschprogrammen ist eine gute Finanzierungsmöglichkeit von Nord-Süd-Austausch. Um einen regen persönlichen Kontakt zwischen den Partnerkommunen, der einer der Haupterfolgsfaktoren einer Städtepartnerschaft aber auch teuer ist, zu gewährleisten, empfiehlt sich die Beantragung von Zivildienststellen im Partnerland oder die Teilnahme an Austauschprogrammen. Über einen Austausch können junge Leute zudem gut für die Mitarbeit bei der Städtepartnerschaft gewonnen werden. Bei fehlenden personellen Ressourcen für Projekte beim südlichen Partner ist der Senior Experten Service zu empfehlen. Dieser ehrenamtliche Dienst der Deutschen Wirtschaft für internationale Zusammenarbeit vermittelt ohne Honorarforderung pensionierte Fach- und Führungskräfte.
Der Nicaragua Verein Hamburg plant aktuell eine Teilnahme am 'weltwärts' Programm. Zudem betreut er Freiwillige, die auf eigene Rechnung einen Aufenthalt in Léon realisieren möchten .
Beim Kaffeekränzchen Städtepartnerschaften unterstützen …
Auch Stiftungen und Sponsoring durch Firmen und Vereine nutzt die Städtepartnerschaft mit Erfolg. Das von der Studentischen Nicaragua-Initiative ins Leben gerufene Jugendfußballprojekt „GoooLeón“ wird zum einen durch Sponsoring des FC St.Pauli, der Fußballkleidung spendet, unterstützt. Einen weiteren Beitrag leisten der Fanladen des FC St.Pauli und kleinere Berliner Fußballclubs mit Geld- und Sachspenden. Die Kooperation mit St. Pauli schafft ein breites Medienecho. Zusätzlich finanzierte die Sepp-Herberger-Stiftung des Deutschen Fußball-Bundes zwei Jahre eine Trainerstelle. Ein Förderbereich der Stiftung ist Auslandsentwicklungshilfe im Bereich Fußball.
Ein Projekt zur Sicherung einer Mülldeponie unterstützten verschiedene Baufirmen finanziell oder mit Sachspenden. Frauenprojekte werden mit Förderung des Hamburger Marie-Schlei-Vereins umgesetzt, bei dem man Gelder für Frauenbildungsprojekte in Entwicklungsländern beantragen kann.
Wie geht man erfolgreich vor?
Starke Lobby durch Netzwerk und rege Öffentlichkeitsarbeit, kreative Finanzierungsideen und die Priorisierung der Städtepartnerschaft in der Hamburger Entwicklungspolitik
Gute Kooperation, ein breites ehrenamtliches Engagement, kreative Finanzierungsideen und die Beteiligung des südlichen Partners an den Kosten nach dem Motto “Was etwas kostet, ist auch was wert“ sind die Kernideen für eine gut finanzierte Städtepartnerschaft. Der zentrale Erfolgsfaktor der lebendigen Partnerschaft sind die vielen Nicaragua Initiativen und deren Vernetzung. Darüberhinaus hat die Hamburger Partnerschaft gute Erfahrung mit der Beteiligung anderer Fachreferate wie Umwelt und Kultur bezüglich neuer Ideen und Finanzierung gemacht.
Aufgrund der Konzentration der Hamburger Entwicklungspolitik auf León und die Vernetzung diverser Nicaraguainitiativen ist die Städtepartnerschaft fest im Bewusstsein der Hamburger BürgerInnen verankert und erfährt breite Unterstützung.
Vor- und Nachteile der Finanzierungsart
Unabhängigkeit und Kontinuität durch verschiedene finanzielle Säulen der Partnerschaft
Ein großer Vorteil der Mischfinanzierung der Hamburger Städtepartnerschaft ist, dass sie von den einzelnen Finanzierungsquellen und auch von der Politik der Stadt bzw. des Landes unabhängiger ist. Die starke Kooperation spart zudem Geld, Zeit und Arbeit. Allerdings erfordert das große Netzwerk Koordinationsstrukturen wie in Hamburg den Nicaragua Koordinationskreis.
Kontakt
Projektkoordinator/Projektträger:
Nicaragua Verein e.V.
Nernstweg 32
22765 Hamburg
Mo-Mi: 13-17 Uhr
Tel. 040/394404
Fax: 040/3909370
E-Mail: Nicaragua-Verein@t-online.de
Internet: www.nicaragua-verein.de
Senatskanzlei Hamburg
Referat Entwicklungspolitik
Herr Grätz
Poststr. 11
20354 Hamburg
Tel.: 040/42831-2500
Fax: 040/427915-360
E-Mail: wolfgang.graetz@sk.hamburg.de
Internet: www.hamburg.de/leon
[|profil.gsimonow],
15. Jul 2011 15:08