Bürger- und Beteiligungshaushalt
Das Interesse am Thema Bürgerhaushalt wächst beständig: aktuell wird seine Einführung in mehr als 130 Kommunen in Deutschland diskutiert, mehr als 80 Kommunen haben ihn bereits. Dabei hat sich gezeigt, dass der Bürgerhaushalt ein nützliches Instrument für eine zukunftsfähige Kommunalentwicklung sein kann, dessen Umsetzung mit relativ geringen Kosten und praktikablem Verwaltungsaufwand machbar ist. Er verbessert den Dialog zwischen Bürgern, Politik und Verwaltung und wirkt dadurch vertrauensbildend, was in Zeiten knapper Kassen zunehmend wichtiger wird. Weiterhin fördert er die Bereitschaft der Bürger, das eigene Umfeld aktiv mitzugestalten – eine notwendige Voraussetzung für die Umsetzung einer nachhaltigen lokalen Politik.
Wie Partizipation und Transparenz bei der Aufstellung des Haushalts zu Verbesserungen in der kommunalen Verwaltung und im Alltag der Menschen führen können hat erstmals der Bürgerhaushalt in Porto Alegre gezeigt. Die brasilianischen Millionenstadt führte 1989 den weltweit ersten Bürgerhaushalt ein und entwickelte über die Jahre ein besonderes Modell zur Durchführung, das international Beachtung und viele Nachahmer gefunden hat. Von Porto Alegre aus verbreitete sich die Idee des Bürgerhaushalts auch nach Europa und Deutschland. Nach und nach wurden verschiedene Modelle des Bürgerhaushalts entwickelt, die sich durch ihre Ziele, das Verfahren und die genutzten Instrumente unterscheiden. Dennoch gibt viele Gemeinsamkeiten für einen Dialog der Kommunen auf nationaler und internationaler Ebene.
Als Servicestelle Kommunen in der Einen Welt unterstützen wir solch einen Erfahrungsaustausch sowohl zwischen den deutschen Bürgerhaushaltskommunen als auch mit ihren Partnern im Süden. Am besten gelingt dieser über gelebte Städtepartnerschaften und internationale Netzwerke: sie sind ein guter Weg, voneinander und miteinander zu lernen, zusammenzuarbeiten und bürgerschaftliches wie kommunales Engagement zu entwickeln. Hierzu entwickeln wir Konzepte, beraten interessierte Kommunen und vermitteln auf Wunsch Experten aus Wissenschaft und Verwaltung als Ansprechpartner.
Online-Plattform
Unter www.buergerhaushalt.de bieten wir seit 2007 gemeinsam mit der Bundeszentrale für Politische Bildung eine Plattform an, auf der sich Akteure aus Politik, Verwaltung und Bürgerschaft über das Thema informieren und austauschen können. Alle Kommunen, die einen Bürgerhaushalt eingeführt haben oder diskutieren, werden in der Karte "Bürgerhaushalte in Deutschland" angezeigt und mit dem jeweiligen Status in der gleichnamigen Rubrik erfasst. Zudem bietet das Internetportal aktuelle Informationen und Berichte aus den deutschen Bürgerhaushaltskommunen, Veranstaltungshinweise, Presseberichte und Artikel aus Wissenschaft und Verwaltung zum Thema.
Bundesweites Netzwerk
Mit dem von uns ins Leben gerufenen bundesweiten Netzwerk "Bürgerhaushalt" bieten wir eine bisher einmalige Möglichkeit zum Wissens- und Erfahrungsaustausch. Zahlreiche Kommunen aus ganz Deutschland nutzen diese Chance, insbesondere bei den jährlich stattfindenden Netzwerktreffen. Wir wollen den Dialog intensivieren und möglichst viele Kommunen mit Anregungen und Ideen, guten Beispielen und Erfahrungen bei ihrer Arbeit zum Bürgerhaushalt unterstützen. Beteiligen Sie sich!